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Watt´n Blick über Nordfriesland

Föhr, Amrum, Sylt sollen raus aus Facebook!

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von Axel Porsch | Nicht nur die Seiten der nordfriesischen Inseln sondern auch die Seiten sämtlicher Unternehmen und Institutionen aus Schleswig-Holstein (selbst die der Landesregierung) sollen ihre Facebook-Präsenz in Facebook aufgeben, widrigenfalls werden sie mit einem Ordnungsgeld von 50.000 € belegt! Dies fordert am 19. August 2011 der Landesbeauftragte für Datenschutz von Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert.

OT: Das ULD erwartet von allen Webseitenbetreibern in Schleswig-Holstein, dass sie umgehend die Datenweitergaben über ihre Nutzenden an Facebook in den USA einstellen, indem sie die entsprechenden Dienste deaktivieren. Erfolgt dies nicht bis Ende September 2011, wird das ULD weitergehende Maßnahmen ergreifen. Nach Durchlaufen des rechtlich vorgesehenen Anhörungs- und Verwaltungsverfahrens können dies bei öffentlichen Stellen Beanstandungen nach § 42 LDSG SH, bei privaten Stellen Untersagungsverfügungen nach § 38 Abs. 5 BDSG sowie Bußgeldverfahren sein. Die maximale Bußgeldhöhe liegt bei Verstößen gegen das TMG bei 50.000 Euro.

Thilo Weichert, Leiter des ULD:Das ULD weist schon seit längerem informell darauf hin, dass viele Facebook-Angebote rechtswidrig sind. Dies hat leider bisher wenige Betreiber daran gehindert, die Angebote in Anspruch zu nehmen, zumal diese einfach zu installieren und unentgeltlich zu nutzen sind. Hierzu gehört insbesondere die für Werbezwecke aussagekräftige Reichweitenanalyse. Gezahlt wird mit den Daten der Nutzenden. Mit Hilfe dieser Daten hat Facebook inzwischen weltweit einen geschätzten Marktwert von über 50 Mrd. Dollar erreicht. Allen Stellen muss klar sein, dass sie ihre datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit nicht auf das Unternehmen Facebook, das in Deutschland keinen Sitz hat, und auch nicht auf die Nutzerinnen und Nutzer abschieben können.

Hier die Pressemitteilung des nördlichsten deutschen Datenschützers im Wortlaut:
ULD an Webseitenbetreiber: “Facebook-Reichweitenanalyse abschalten”

Damit bedroht Thilo Weichert mit restriktiven Massnahmen und Bußgeldern unter anderem die Fremdenverkehrsämter und Tourismus Marketing GmbH von der Insel Sylt, Insel Föhr, Insel Amrum, St. Peter-Ording und selbst seinen Dienstherrn, das Land Schleswig-Holstein!

Da werden sich aber die Zeitungsverlage herzlich freuen, dass die Tourismuswerber künftig wieder mehr Geld in Annoncen investieren müssen. Und die Post freut sich auf vermehrte Karten- und Brieffluten.

Die Kommentare in den Foren (Horizont und wuv) sprechen für sich:
L.T.: „Als nächstes wird das Internet verboten… Ich setze mich ´mal vorsichtshalber hin und schwärze den Namen auf meiner Visitenkarte sowie die Kontodaten auf unserem Briefbogen. Sicher ist sicher….

ST.M.: „Wer seine Daten schützen will, muss schon den Stecker ziehen. Heute ist Facebook der Sündenbock, morgen vielleicht Google. Fakt ist, dass wer aus seinem Haus geht auch von seinen Mitmenschen gesehen und wahrgenommen wird. Das ist im Internet nichts anderes.

J.M.: „Mann oh Mann, was für eine Diskussion: Vielleicht sollte man den guten Herrn Datenschützer noch einmal daran erinnern, dass wir gerade eine Volkszählung hatten und man sogar unter Androhung von strafrechtlichen Konsequenzen seine gesamten Daten preisgeben musste!!! Ach ja, war für einen guten Zweck… nämlich für Vater Staat. Und Facebook & Co. ist dann für einen bösen Zweck? Was passiert denn mit meinen Daten dort? Bestenfalls lauert dann hinter jedem Internet-Besuch individualisierte Werbung auf mich. Oder auch nicht, weil meine Daten zu verwirrend sind ;-) Oder irgendein Computerprogramm am anderen Ende der Welt weiß, dass ich einen Hund besitze, oft Hundebilder ins Netz stelle und so weiter und so fort. Also Leute, macht mal halblang: Einerseits wird sich hier wegen Datenschutz in die Hose gemacht, andererseits wird für jedes “Gewinn-ein-iPad”-Preisausschreiben die (Daten)Hose freiwillig ganz, ganz weit runtergelassen. So etwas gibt es wahrscheinlich nur wieder in Deutschland! Mein Ratschlag für alle Daten-Paniker: Lasst in Zukunft Euren Computer aus und geht mehr spazieren – egal, ob mit oder ohne Hund.

M.SCH.: „Tja, da werden wohl die älteren Herrschaften, gerade in den konservativen Parteien verwirrt, weil sie das Phänomen Internet/SocialMedia nicht verstehen, geschweige denn kontrollieren können. Erst werden irgendwelche unkontrollierten FB Parties gestartet und dann versinkt der CDU Hoffnungsträger in Facebooksucht und Facebookkontaktbörse…da MUSS man doch was machen können…

Steve Johnson-Wozowiecki aus Berlin formulierte bei wuv knapp und prägnant: „Ich hol dann mal die Kutsche aus dem Stall und fahr ins 21. Jahrhundert.

Immerhin hat es Dr. Thilo Weichert binnen weniger Stunden geschafft, den Atlantik zu überqueren und in der renommierten Huffington Post eine Diskussion unserer amerikanischen Weltenbürger zu entfachen. Bisher gab es bereits 430 Kommentare.

 


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